Ich habe ja eine Festanstellung bei einem Betrieb im Öffentlichen Dienst sogar. Und das ist ja gerade in diesen Zeiten, wo oft Kurzarbeit herrscht oder man sogar seinen Job verloren haben sollte, besonders toll und angenehm ein weiteres sicheres Grundeinkommen und Arbeit zu haben. Mein persönliches Problem ist nur, dass ich damals, wo ich jetzt arbeite, nur per Zufall hingekommen bin und mich für diese Stelle nicht beworben habe. Hier haben scheinbar tatsächlich die Arbeitsämter der verschiedenen Landkreise gute Arbeit geleistet und mich quasi vermittelt. Es war damals eines Tages ein Brief der Gemeinde meines jetzigen Arbeitgebers im Briefkasten, wo Vorschläge für Vorstellungsgespräche standen. Also, hab ich da angerufen und einen Termin bestätigt und habe an dem Tag erst meine (klassische) Bewerbungsmappe mitgenommen. Das war Ende März 2015 ubd hätte direkt im April starten können und es wurde dann der 13. April 2015. Jetzt fast 5 1/2 Jahre später, habe ich schlussendlich die Schnauze gestrichen voll. Wie gesagt das Gehalt und natürlich die Sicherheit eines festen sicheren Arbeitsplatzes ist in diesen Zeiten von Vorteil und durch den TVÖD hast du weitere Annehmlichkeiten und das meiste bürokratische usw. usf. wird von der Gemeinde des Ortes bzw. vom Rathaus erledigt und muss wirklich nur meinen Arbeitsplan abarbeiten und das wars.
Der Wohnort ist das, was mich zum umziehen bewegt. Ich wohne nämlich mit meinem Partner aktuell auf einer der kleinen touristischen Nordseeinseln und wir haben echt kein Bock mehr. Ständig diese nervigen Gäste, die über die Insel herfallen und mega unverschämt sind (viele, nicht alle) und alles verdrecken. Und du hast quasi kein Privatleben hier und keine Privatsphäre wie am Festland. Es gibt ein massives Wohnungsproblem auf den Inseln. Die Wohungen sind so teuer, dass sie sich nur ein Investor bzw Millionär leisten kann und auch Mieten von rund 2000 Euro pro Monat für eine kleine Wohnung sind keine Seltenheit, im Schnitt 1000 Euro kalt. Wir zahlen nur rund 330 Euro warm, aber auch nur, weil wir nicht privat wohnen, sondern die Wohnung von der Gemeinde, also dem Arbeitgeber gestellt wurde und vom Arbeitsvertrag abhängig ist. Wirst du gekündigt, bist du quasi obdachlos, kann natürlich auch bei anderen Wohnungen passieren, wo der Vermieter jemanden wegen Eigenbedarf kündigt, aber hier hängt es mit dem Arbeitsvertrag zusammen und es sind oft nur kleine Zimmer von rund 30qm und auf diese Wohnverhältnisse habe ich keine Lust mehr. Die ersten 3 Jahre war ich hier noch allein, von daher war es auch ok, aber als im April 2018 mein Partner dazustieß und je weiter die Zeit voranschritt, desto mehr haben wir den Wunsch alles hier zu beenden und wieder ans Festland zu ziehen. Es ist eben was völlig anderes, wenn man hier auf einer Insel Urlaub macht oder ob man hier lebt und arbeitet.
Die Supermärkte hier sind viel kleiner, teurer und haben nicht so viel Auswahl. Es gibt keinerlei Fachärzte für nichts, nicht nal ein Zahnarzt und muss dafür oder andere behördliche Termine aufwendig mit der Fähre ans Festland fahren und schafft es ggf. nicht zurück auf die Insel, weil so spät und nachts keine Fähren fahren und eher die Gäste, als die Bewohner vorgezogen werden (also ob man zu seinem Wohnsitz zurückkommt oder nicht!). Es ist einfach alles viel komplizierter hier und auch keine Autos auf der Insel. Bei jeden Schauer musst du mit dem Fahrrad fahren und wirst klitschnass und auch Einkäufe und generelle Erledigungen sind schwerer. Und wenn man dann noch das Gefühl hat die Gemeinde kümmert sich um nichts, sondern nur um die Gäste und man auf der Arbeit völlig ausgenutzt wird, reicht es wirklich irgendwann. Man lebt auf der Insel nur, wenn man ausschließlich arbeitet und sich isolieren will. Es gibt hier Leute, die die Insel niemals verlassen, wenn sie es nicht ab und zu mal müssten, wegen Ärzten z.B.
Und das ist nichts für mich. Du kannst hier ja in deiner Freizeit auch nichts machen, weil du irgendwann alles durch hast hier und am Festland, egal wo, man mit dem Auto oder anderen Verkehrsmitteln hinfahren kann, wo man will und man kann auch alles zu jederzeit erreichen, also sein zu Hause. Die Insel hingehen kannst du nachts nicht erreichen und umgekehrt bist du ja quasi auch gefangen und siehst und sprichst deine ganzen Kontakte vom Festland fast gar nicht mehr und das stimmt mich traurig.
Das einzige, was uns hier hält sind unsere Jobs und durch die Coronakrise ist es verdammt schwer geworden neue Jobs zu finden, zumindest auch passende. Unser Plan ist es dahin zurückzukehren in die Gegend, wo ich ursprünglich herkomme, in Westniedersachsen, und wollen auch unser eigenes Haus zukünftig bauen und wieder ein "normales" Leben und normale Wohnverhältnisse haben, mit Auto und allem drum und dran. Vor allem haben wir dann unsere Privatsphäre und leben wieder und leben nicht nur hier wegen der Arbeit. Das ist nämlich einfach nicht mehr ausfüllend genug.
So das war meine "kleine" Geschichte zu dem Thema, um euch mal einen Überblick in unsere jetzige Lage zu bringen und wir hoffen, dass wir spätestens im nächsten Frühjahr die Insel endlich verlassen können und bis dahin müssen wir unsere Zeit halt noch "absitzen".



