Was fällt Ihnen beim Stichwort China noch so ein – neben so schnöden Begriffen wie Diktatur, Smog oder Menschenrechte? Richtig: Feuerwerk. Für eben jenes ist China ja schon seit ewigen Zeiten renommiert. So war es auch kein Wunder, dass uns zur Eröffnung der Olympischen Spiele ein spektakuläres Farben- und Formenspektakel am Himmel gezeigt wurde.
Oder sagen wir lieber fast gezeigt wurde. Denn wie jetzt bekannt wurde, war dieses Feuerwerk, wie so vieles rund um die Spiele, nur Fassade – in diesem Falle eine elektronische Fassade, denn das Feuerwerk zur Eröffnung war mitnichten live und erst recht nicht echt. Vielmehr hat nun ein Mitarbeiter der entsprechenden Produktionsfirma zugegeben, dass der ganze Zauber aufgezeichnet und am Computer nachbearbeitet war.
Spiegel online zitiert den Mitarbeiter mit den Worten "Wenn ich es mir heute anschaue, war das Video ein wenig heller als die echten Aufnahmen", gab der Mitarbeiter zu. "Aber die meisten Zuschauer dachten, es sei echt - damit hat unsere Arbeit ihren Zweck erfüllt."
Um das mal ins Verhältnis zu setzen: In China hatte die Eröffnungsfeier eine Zuschauerquote von 83,6 Prozent, das sind Spitzenwerte von bis zu 840 Millionen Chinesen, die da vor der Mattscheibe saßen. Weltweit wurde die Feier von gut vier Milliarden Zuschauern gesehen.
Wenn wir uns jetzt mal vor Augen führen, dass praktisch niemand die Manipulation bemerkt hat, dürfen wir wohl raten, was wir sonst noch so zu verschiedenen Gelegenheiten an computergenerierter Kost präsentiert bekommen.
Übrigens sind auch in den USA bereits Verfälschungsvorwürfe laut geworden. Dort soll der Sender, der die Übertragungsrechte hat, die Reihenfolge der einmarschierenden Länder geändert haben.
Ebenso glaubwürdig wie die chinesischen Fußstapfen sind übrigens auch die YouTube-Videos, die derzeit die Lage in Ossetien beleuchten wollen. Mit Medien wie YouTube wird uns hier zwar eine immense Breite an Informationen vorgegaukelt, doch tatsächlich wird es stattdessen immer schwerer, herauszufinden, wer wann was aus welchem Grund ins Netzt stellt und ggf. für seine gewünschte Meinung "passend" macht.
Welche Masse an Menschen allein via Internet da erreicht werden kann, mag noch einmal das Beispiel China verdeutlichen: Hier gab es, so die Boston Consulting Group, im Jahr 2007 rund 210 Millionen Internetnutzer. Bis zum Jahr 2015 sollen neun von zehn Chinesen das Internet nutzen. Zu dieser Zahl rechnen Sie jetzt noch stark vernetzte Staaten wie die USA, Deutschland oder Großbritannien hinzu – geradezu unglaublich, welches Potential für Information und eben auch Desinformation hier gegeben ist.
Und dass es genügend, sagen wir mal "zutrauliche" Internet-Nutzer gibt, mag das Bubenstück verdeutlichen, dass sich ein Anbieter im AppStore von Apple geleistet hat. Unter dem Titel "I am rich" wurde hier eine iPhone-Anwendung für sage und schreibe 999,99 Dollar angeboten, die absolut nichts macht, außer, dass sie ein Bild eines roten Diamanten im Display einblendet. Gut, angeblich soll sie auch noch ein geheimes Mantra zeigen, das für Glück und Reichtum sorgen soll.
Wenn Sie jetzt glauben, dass so blöd doch keiner sein kann, um so etwas zu kaufen, dann irren Sie. In den wenigen Stunden, die das Programm erhältlich war, bis Apple diesen Software gewordenen groben Unfug entfernt hat, haben immerhin acht Käufer beherzt den Kauf-Knopf gedrückt. Für den "Erfinder" hat sich sein Mantra also wohl gelohnt und uns hat es wieder einmal gezeigt, dass Dummheit oder Leichtgläubigkeit wohl unendlich sind...
Mit gefälschtem Gruß
Torsten Kieslich
Chefredakteur von Computerwissen Daily, Photoshop-Secrets, Digitalfotografie aktuell, Photoshop Elements-Secrets