Gothic
Ein Lebensgefühl, vornehmlich durch sinnvolle Flucht und Isolation gekennzeichnet. Ein über Jahre perfekt gehegtes Inseldasein. Recht schnell entwickelte sich Gothic vom Lebensgefühl zu einem Lebensstil.
Die schwarze Szene ist heutzutage kaum noch unter einen Hut zu bringen, bei der Vielfalt an zusammentreffenden Menschen mit verschiedenen Ambitionen und Interessen!
Der Begriff "Gothic" taucht auch in der Vergangenheit schon immer wieder in Verbindung mit Musik und deren Anhängern auf, z.B. die "New Romantic" - Welle Anfang der 80er Jahre.
Ein Vorteil der Szene ist mit unter, dass sie von Medien kaum zu fassen ist - aufgrund ihrer weitläufigen Verbreitung und vor allem wegen der verschiedenen Bedürfnisse oder Interessen!
Es werden mitunter auch >mittelalterliche Minnesänger bei musikalischen Events miteinbezogen.
Markus Runge
Die Jugendszene
Vor einiger Zeit veröffentlichte eine deutsche Zeitschrift eine Serie über die Jugendszene:
Fazit: "Die Jugend" gibt es nicht! Die Generation der 15 - 25jährigen hat nur eines gemeinsam: sie sind jung!
Ansonsten sind Jugendliche zersplittert in lose Gruppen mit eigenem Outfit und eigener Musik. In ihren Gruppen finden sie das, was ihnen Familie und Gesellschaft nicht mehr bietet: Identität, Gemeinschaft und Spaß.
Die Jugendlichen haben bereits in jungen Jahren beinahe alles gesehen und gehört. Die existenziellen Geheimnisse des Menschen wie Sexualität und Tod werden sehr früh entdeckt. Elektronische Medien können keine Geheimnisse für sich behalten - und wo keine Geheimnisse sind, gibt es auch keine Kindheit.
Die Jugendlichen von heute fühlen sich überinformiert und überstimuliert. Sie haben gelernt, dass alle Vergnügungen des Leben immer fertig serviert werden. Sie sind ständig auf der Suche nach neuen, noch stärkeren, noch intensiveren Reizen. Alles was nicht neu und anders ist, wird als langweilig erlebt.
Jugendliche
Laut Zeitschrift "Stern": Raver, Rapper, Punks, Techno-Jünger, Schickies, Girlies, Rockabillys, Skinheads, Faschos, Jesus-Freaks, Computer-Kids, Ökos, Autonome, Tierschützer, Hippies, Gang-MItglieder, Fitnessverückte, Skater, Sprayer, Cruiser und natürlich: Gruftis!
Gruftis mögen Grabesstimmung und düstere Musik, sind eitel und selbstverliebt. Sie sind Nachtmenschen. Sadomaso ist schwer angesagt. Schwarz ist ihre Farbe und auch die Kleidung.
Schon im 19. Jhdt war der "Gruftinismus" in. Damals haben sich arme Leute in den Gruften versteckt, um vor der Kälte zu fliehen. Heute jedoch feiert man in dunklen Discos, alten Kirchen, U-Bahn-Tunneln und Friedhöfen.
Es gibt
zwei Mottos, die bei den Gruftis Geltung haben:
1. "Live fast, die young, look pretty!" und
2. "Selbstmord ist out, das Leben ist cool!"
Romana Fasching
Gothic-Szene
Gothic Szene hat nichts (und viel?) mit >Gotik zu tun. In der Gothic Szene geht es um ein Lebensgefühl, fast weniger noch: um eine Attitüde, die vornehmlich durch stilvolle Flucht und Isolation gekennzeichnet ist. Eine über Jahre perfekt gehegtes Inseldasein, das von Außenstehenden immer noch missverstanden wird. Gothic Szene ist eine der letzten funktionierenden Subkulturen der 90er Jahre. Wird von den Medien oft nicht verstanden oder falsch interpretiert.
Musikalische Wurzeln
"Joy Divison", "Cure", "Bauhaus", "Sisters of Mercy", viele Bands aus England bildeten schnell ein stilistischen Eigenleben, das mit den Ursprüngen nur noch wenig zu tun hatte. Die Gothic Szene ist eine Reaktion auf die langsam abhebende Punkwelle. Es entwickelte sich "Gothic" vom Lebensgefühl zu einem Lebensstil. Einhaltung des Stils und seinen nihilistischen Eckwerten - wie Todessehnsucht, Endzeitästethik, oft von der Außenwelt als bedrohlich empfundenes Klischee. Stilistische Accessoires dienen nicht zur puren Provokation, wie beim Punk, sondern waren Zweck zur eigenen tiefschwarzen Verinnerlichung.
"Gothic Szene" ist ein einzigartiges Biotop mit eigener Sprache, eigener Musik, eigenem Stil und einer eigenen, gut funktionierenden Infrastruktur, die das Genre mittlerweile auch für die etablierte Industrie hochinteressant gemacht hat. Erstaunich ist die Hingabe des Gothic-Publikums, seine Bereitschaft zu lernen, zu entdecken und der Wille zur wirklichen Auseinandersetzung. Leider oftmals nur im Zusammenhang mit den nötigen szenegerechten stilistischen Äußerlichkeiten.
Gothic in Österreich
Nach Österreich kam die schwarze Bewegung Mitte der 80er Jahre. Die ersten Berichte waren von bleich geschminkten Teenagern, die nächtens auf abgelegenen Friedhöfen auf den Gräbern tanzten, und bald waren die "Gruftis" in aller Munde. Lang ist es her, dass Nietengürtel und Lederriemen noch schockierende Accessoires waren. Auch die immer wieder unterstellten Verbindungen mit dem Rechtsradikalismus werfen in regelmäßigen Abständen kein Licht auf die Szene, deren Insignien traditionell aus Pentagrammen und Totenköpfen bestehen. Hauptidentifikationsfaktor ist die Musik und das Styling, sie machen den Reiz der schwarzen Szene aus. Die meisten aus der Szene sind ziemlich konservativ und kommen durchwegs aus gutbürgerlichem Haus.
Natalie Grünböck
Szene Wien "Evolution" 2005
Fashion Show: MRicanDesign und 10 DesignerInnen präsentierten in der Szene Wien ihre außergewöhnlichen Kreationen. Bei den Designs handelte es sich um Mieder, Korsette, Reifröcke und andere ausgefallene Kleidungsstücke.
>Gothic Fashion Show (Fotoindex)
"Die Bühne ist unser OP, die Instrumente unser Skalpell".
Exit to Eden versuchen zu heilen, was die Gesellschaft kaputt gemacht hat. Die Formation bedient sich der Elemente aus Psychedelic- und Garage-Rock Stilrichtungen, die schon Bands wie The Doors, Iggy Pop und The Cult geprägt haben und erschaffen einen ganz speziellen Sound mit modernem Touch. Lineup: Werner (drums), Oliver (bass), Inschi (guitar), David (guitar), Radomir (vocals).
>Exit To Eden (Fotoindex)
New Romantic
New Romantic war durch seine frühen Bands wie Japan, Duran Duran gezeichnet, vom Hang zu Glamour, Hedonismus, Schönheit und Eleganz. Die im Punk benutzten Stile wurden verfeinert.
Stand der Dinge
Gothic in England war wie fast alle kurzlebigen Stile in erster Linie eine "Party". Speziell in Deutschland gingen die Gothic-Jünger gründlicher vor:
Gothic entwickelte sich schnell vom "Lebensgefühl" zu einem Lebensstil.
Gothic 2000 ist nicht zu vergleichen mit Gothic der 80er Jahre: Musik wird mit den modernsten Geräten produziert, auf der Suche nach neuen Klangausdrucksmöglichkeiten.
Nina Radlinger
Quelle: Peter Matzke / Tobias Seeliger, GOTHIC! Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag,
ISBN 3-89602-332-2