Satire

  • So, nachdem ich geantwortet habe, daß er/sie/es doch mal die Kammer aufmachen soll, bekam ich folgende Antwort, die mich wiederum in den Zustand intensiver Meditation versetzt:


    Zitat

    also wir hatten die kammer offen aber wir hatten keine fackel aber egal ich hab eh kein memoristick
    ode besser gesagtt er kommt noch also i machs nochmal un mit fackel seh ich da was was uns weiter bringt oder ?

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    Wir werden wieder Normalität herstellen, sobald wir herausgefunden haben, was das eigentlich ist.

  • Nomen est omen


    [h3]Frau Super und Herr Gau[/h3]
    Ein peinlicher Nachname nervt - den, der mit ihm leben muss. Schön, wenn wenigstens die anderen lachen.
    Ein Klagelied von Lara Doktor


    Mein Name ist Lara Doktor. Wenn ich mich vorstelle, schaut mich mein Gegenüber zunächst ungläubig, schließlich amüsiert an und hakt dann nach: "Du heißt wirklich Doktor?!"
    Ich nicke ermattet.
    "Das ist ja unglaublich! Wenn du dann mal einen Doktor machst ..."


    Stopp. Bitte. Ich heiße seit 25 Jahren Doktor. Höre seit einem Vierteljahrhundert die gleichen Witze und kenne sie alle. Auch diesen. Er endet folgendermaßen: "... dann heißt du ja Frau Doktor Doktor. Dann bist du ein Doppeldoktor!"
    Der andere hält sich den Bauch vor Lachen, ich werde zu Stein.


    Nun hindert mich mein persönliches Handicap keineswegs daran, über die zahlreichen Leidensgenossen und ihre grotesken Namen zu lachen. Auf der Suche nach Menschen, die noch schlimmer dran sind als ich, surfe ich durchs Netz, scrolle hämisch grinsend durch Listen mit obszönen Namen und Geschichten über abstruse Verwicklungen.


    Dank eifriger Sammler, die Deutschlands Telefonbücher durchsuchen und ins Netz stellen, erfahre ich von der Existenz einer Frau Schlotterhose und eines Herrn Klohocker. Auch Rosa Brüstle muss mit ihrem Namen leben, ebenso wie ein Josef Goebbels, der froh sein dürfte, wenn er nur die Frage "Ja, leben Sie immer noch?" zu hören bekommt. Frau Unbekannt wird nicht die Einzige sein, die ihren Namen für einen schlechten Scherz hält.


    Geteiltes Leid ist halbes Leid, heißt es. Vielleicht haben sich deshalb so viele Paare zusammengetan, deren Nachnamen ohnehin schon komisch klingen, in ihrer Kombination aber geradezu aberwitzig sind. Als ich eine Homepage mit skurrilen Namenskopplungen überfliege, stelle ich mir vor, wie Frau Baum und Herr Stamm allmählich zusammenwachsen und frage mich, ob ein explosives Gemisch wie das zwischen Hilde Super und Helmut Gau eine Zukunft hat. Katharina Warum und Rudolf Nicht plagen solche Zweifel offenbar weniger - man kann's ja mal miteinander versuchen.


    Wirklich lästig wird es, wenn man beruflich auf das Vertrauen von Menschen angewiesen ist, der eigene Name jedoch genau dies zu verhindern droht. Wie lange mögen wohl Wasserhähne der Firma Rost und Söhne halten? Fühlt sich ein Alkoholiker wohler, wenn er bei der Suchtberatung "Blaues Kreuz" in Wuppertal anruft und Herrn Schluckebier an der Strippe hat?


    Immerhin, die Psychotherapeutin Christina Sorgenfrei aus Bad Nauheim hat einen Namen, der wirklich toll zu ihrem Beruf passt. In ihrem Sessel sitzt man mit Sicherheit lieber als bei ihrem Kollegen Dr. Frankenstein, einem Neurologen in Oldenburg. Der Spruch "Nomen est omen" trifft da hoffentlich nicht zu. Bei meinem Bruder schon: Er hat vor kurzem seinen Doktor gemacht. Und: Ja, er heißt jetzt Dr. David Doktor.


    Schade eigentlich, dass mein Bruder seinen Doktor in Geographie und nicht in Medizin gemacht hat. Aus naheliegenden Gründen gehe ich nur äußerst ungern zum Arzt. Besonders unangenehm ist der Moment, wenn ich namentlich aus dem Wartezimmer gerufen werde: "Frau Doktor bitte!" Menschen, die sich vorher noch intensiv der Gala oder Bunten gewidmet hatten, schauen verwundert auf. Grinsen. Ich gehe hastig mit gesenktem Kopf aus dem Wartezimmer, weil ich den belustigten Blicken ausweichen will. Ich weiß, sobald ich die Tür hinter mir geschlossen habe, geht das Getuschel und Gekicher los.


    Und im Behandlungszimmer geht es weiter. Der Arzt begrüßt mich meist mit einem freudigen "Guten Tag, Frau Doktor! Das ist ja ganz schön unverschämt von Ihnen ..."
    Stopp. Bitte. Ich kenne auch diesen Witz. Er geht folgendermaßen weiter: "... ich musste dafür acht Jahre lang studieren und Sie sind schon seit Ihrer Geburt Doktor!" "Haha", mache ich, während ich versteinere.


    Der Sprachanalytiker und Namensforscher Joachim Schaffer-Suchomel hält "Doktor" übrigens für ein "Würdezeichen", mit dem einer automatisch im Vorteil ist. Er ist davon überzeugt, dass der Nachname den sozialen Rahmen seines Trägers spiegelt. Ein Mensch mit dem Namen Kusch habe demnach wahrscheinlich einen eher scheuen und zurückweichenden Charakter. So gesehen könnte sich der Bundestagabgeordnete Cajus Julius Caesar keinen besseren Namen wünschen - von dem jähen Ende des Originals einmal abgesehen.


    Und passt ein Name nun gar nicht zum Wesen einer Person, hat Schaffer-Suchomel auch dafür eine Erklärung: "Ein Herr Kusch kann sich gegen seinen Namen wehren und sich gerade deswegen besonders herausfordernd und forsch verhalten." Ob ein Wetterexperte damit durchkommen würde, wenn er prognostiziert: "Morgen regnet es - oder auch nicht"?


    Künstlernamen - ein Privileg


    Viel einfacher haben es da Künstler. Die dürfen ihren Namen nach Belieben abwandeln oder gleich einen neuen ausdenken. Der Sänger Xavier Naidoo heißt in Wirklichkeit - nein, nicht Xaver -, sondern Kurt (neben Xavier)! Mit so einem Namen kann man im Musikbusiness nur bestehen, wenn man sein Honorar als Alleinunterhalter verdient und auf Polonaise spezialisiert ist. Und wer bitte kennt schon Friedrich Günther Raab! Aber Patrick Lindner schon, oder?


    Wir Normalos hingegen haben keine Lizenz zum Schummeln. Ein bisschen am Vornamen herumschrauben, um sein Image aufzupolieren - mehr ist nicht drin. Mit etwas Glück wird aus einer Kittelschürze tragenden Irmgard eine süße Irmi mit Schmetterlingsspangen im Haar und aus einem drögen Christopher ein snowboardender Chris.


    Ich gebe zu - meine Eltern mögen mir verzeihen -, dass ich mehr als einmal mit dem Gedanken gespielt habe, offiziell eine Namensänderung zu beantragen. Die Angelegenheit würde mich 500 Euro kosten. Irgendwie verlockend, dass die Erlösung einer lebenslangen Last nur einen Behördengang und ein paar Euro entfernt liegt.


    Leider finden die Beamten der zuständigen Behörde meinen Namen nicht schlimm genug und wollen meinem Wunsch einer Namensänderung nicht ohne Weiteres nachkommen: "Mit fast jedem Namen kann Scherze machen", erklärt der Beamte lapidar, "das muss man aushalten." Klingt, als wüsste der Mann, wovon er spricht. Vielleicht heißt er ja Markus Aktenschubser. Oder Heinz Buchhalter.


    Wenn ich es mir ernsthaft überlege, fühlt sich das Ganze doch ein bisschen komisch an. Schließlich heißt meine Familie so. Hieße ich nun anders, käme ich mir ausgeschlossen vor. Vielleicht ist es wie mit einer krummen Nase. So wurde man fürs Leben ausgestattet, ohne Einfluss darauf zu haben. Man muss damit zurechtkommen.


    Was ich hingegen jederzeit mit meinem Gewissen vereinbaren könnte, wäre eine Namensänderung durch Heirat. Nein, mehr noch. Heirat ist der Lichtblick am Ende des Tunnels! Männer, die ich kennenlerne, frage ich scheinbar beiläufig nach ihrem Nachnamen. Die Herren wissen nicht, auf welch dünnem Eis sie sich bewegen. Denn Vorsicht: Sobald ich einen Mann mit einem stinknormalen Nachnamen treffe, gehört er mir. So wahr ich Doktor heiße.


    http://www.sueddeutsche.de/leben/968/312878/text/

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  • Nun, ich kannte mal eine Frau die Herklotz hieß, was bis jetzt noch nichts ungewöhnliches ist, bloß wenn man dazu noch eine tiefe Stimme hat und sich mit Herklotz meldet, kann dann schon schnell einmal hören: "könnte ich bitte ihre Frau sprechen"

  • Endlich sagts mal einer


    Ich weiß, dass das, was mich heute bewegt, nur bedingt zum Thema Computer gehört – da es aber ein Video dazu im Internet gibt, und zwar hier:


    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/606910?inPopup=true


    tue ich einfach mal so, als würde es jetzt hierher gehören. Ich spreche vom Auftritt des immer wieder überraschenden Marcel Reich-Ranicki, der den Mumm hatte, die mediale Verdummung öffentlich zu machen, indem er den Deutschen Fernsehpreis bei der Verleihung ablehnte.


    Der 88jährige Literaturpapst sollte eigentlich mit dem Ehrenpreis für sein Lebenswerk und die Literatursendung "Das literarische Quartett" ausgezeichnet werden. Offenbar hat ihn aber die mehrstündige Preisverleihung, in der auch fernsehgewordene Diarrhoe (= Durchfall) wie "Deutschland sucht den Superstar" ausgezeichnet wurde, so schockiert, dass er stattdessen den Preis ablehnte und sagte, er gehöre nicht in die Reihe dieser Preisträger und habe es schlimm gefunden, was er vier Stunden in Köln erleben musste.


    Das war auf jeden Fall ehrlich und – wenn ich mir einige der Preisträger so ansehe – auch so falsch nicht. Zumindest stimmt es bedenklich, wenn Serienfutter wie "Doctor's Diary" es zum Preis für die beste Serie bringt. Davon kann dann auch ein "bester Fernsehfilm" wie "Contergan" nicht ablenken.


    "Focus Online" zitiert noch einige Aussagen von Reich-Ranicki zu dem Eklat: Im Bayerischen Rundfunk sagte er am Montag: "Der Preis war eine Beleidigung. Da wurden lauter miserable Sachen preisgekrönt. Da gehöre ich nicht dazu."


    In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte er, dass es ihn wütend gemacht habe, dass fast alle preisgekrönten Darbietungen auf einem erbärmlichen Niveau gewesen seien. Aber auch die guten Produktionen, die einen Preis erhalten hätten, seien auf eine Art und Weise präsentiert worden, die ihre Qualität nicht habe erkennen lassen. "Und zwischendurch immer wieder Köche, nichts als Köche. Es war schrecklich", sagte er.


    Peinlich war ansonsten nur der Kommentar von Thomas Gottschalk, der Reich-Ranicki wohl ein wenig in Richtung "Altersheim" schieben wollte, indem er anmerkte, es sei ja kein Wunder, wenn sich jemand, der sich länger nicht mit Fernsehen beschäftigt habe, ein wenig erschrecke, wenn er sähe, was um ihn herum so alles passiert sei. Einige andere werden sich vielleicht auch erschrecken, wenn Sie eines Tages feststellen, dass sie als 58järige immer noch in der Maske eines Mittzwanzigers den Clown geben...


    Mit fernsehendem Gruß


    Torsten Kieslich


    Chefredakteur von Computerwissen Daily, Photoshop-Secrets, Digitalfotografie aktuell, Photoshop Elements-Secrets

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    Einmal editiert, zuletzt von Tom ()

  • [h3]Google schützt vor peinlichen E-Mails - "Mail-Googles"-Funktion testet den Absender[/h3]
    Heftig geforscht wird an Assistenzsystemen für das Auto, mit denen die Kondition und Konstitution des Fahrers überprüft werden kann, um Unfälle durch Übermüdung oder Ausfälle anderer Art zu verhindern. Da ist Google den Automobilherstellern aber schon weit voraus, denn der Online-Krösus hat in seinen Online-Mail-Dienst die "Mail Googles"-Funktion integriert.


    Ist diese Funktion eingeschaltet, werden Mails erst versendet, wenn das Programm der Ansicht ist, der Absender ist auch tatsächlich Herr seiner Sinne. Mit dieser Sicherung soll verhindert werden, dass Mails ausgesendet werden, die man besser gar nicht oder zumindest nicht in dieser Form hätte senden sollen. Die Entwickler der "Mail Googles" sehen so die Möglichkeit, E-Mails zu verhindern, die durch Schlampereien, Übermüdung, Alkohol oder gar Drogenkonsum peinliche Inhalte und Fehler haben.


    Das funktioniert so: Bevor die Mail versandet wird, muss der Absender einen Test bestehen. Dieser Test besteht aus mehr oder weniger einfachen Rechenaufgaben. Können diese nicht gelöst werden, gehen die Mail-Googles davon aus, dass der Anwender zu müde ist und empfehlen die Überarbeitung der E-Mail oder den Versand auf den nächsten Tag zu verschieben. Der Schwierigkeitsgrad der Rechenaufgaben kann in fünf Stufen eingestellt werden. Bei der niedrigsten Stufe ist z. B. "62-22" zu lösen, bei der höchsten Stufe kann es auch schon mal "869-111" sein. Für die fünf gestellten Aufgaben hat der Anwender 60 Sekunden Zeit, bei richtiger Lösung geht die Post ab.


    Diese interessante Funktion, die sich auf der englischsprachigen Google-Mail-Oberfläche unter "Settings, Labs" aktivieren lässt, bietet weiterhin Zusatzfunktionen, die z. B. den Test nur dann aktivieren, wenn der Nutzer abends oder nachts mailen möchte.


    Ich bin mir noch nicht darüber im Klaren, ob ich es begrüßen würde, wenn diese oder eine ähnliche Funktion Einzug in alle Mailsysteme hält. Ein bisschen Kopfrechnen üben ist ja ein netter Nebeneffekt. Aber schließlich versteckt sich dann ja ein guter – und ehrlicher! – Teil des Absenders hinter einer Google-Funktion und mir wird es schwieriger gemacht, den Absender richtig einzuschätzen. Ich würde sie vermissen, die Mails mit konsequenter Großschreibung, mit durchgängiger Kleinschreibung, mit 20 Kommata am Ende, die man selbst an die richtige Stelle setzen soll, Mails ohne Anrede und ohne Grußformel, dafür mit einem Dutzend Smilies und gefühlten 100 Ausrufezeichen, Mails, die auf die totale Ignoranz der Rechtschreibkontrolle schließen lassen. Nein, hier ist mir lieber, wenn der Absender sich weiterentwickelt, als wenn Google seine Software weiterentwickelt.

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  • [h3]Eine Woche ohne ... Handy[/h3]
    Eine schöne Utopie


    Wissen Sie noch, wie das war? Damals, als es noch kein Handy gab und man nicht ständig erreichbar sein musste. Jetzt wird schon eine Woche zur Qual.
    Von Jürgen Schmieder


    Erinnern Sie sich noch? Lassen Sie sich Zeit, es ist schon lange her. Sollten Sie jünger sein als 20 Jahre, dann fangen Sie erst gar nicht an, im Gedächtnis zu suchen. Sie kennen das nicht. Es geht um eine Zeit, als sich in der Hosentasche kein vibrierendes und ständig klingelndes Ding befand.


    Man kann sich kaum noch erinnern an diese Tage, an denen eine Verabredung in Stein gemeißelt war und nicht mit einem Anruf zehn Minuten vorher abgesagt wurde. An denen man einen Film im Kino ansehen konnte, ohne dass der Sitznachbar am Telefon diskutiert. Und an denen Familienväter während des Spaziergangs nicht Fußballergebnisse checken.


    Freilich hört sich das arg kulturpessisimistisch an und auf der Früher-war-alles-besser-Welle surfend. Das soll es nicht sein. Das Handy ist eine sinnvolle Erfindung, es hat das Leben nicht nur erleichtert, sondern nicht selten sogar gerettet. Es hat den Menschen aber auch abhängig gemacht von diesem Gerät, das er stets bei sich trägt - oder die stilvoll schlimmere Variante: an sich -, als wäre es der Schatz aus "Der Herr der Ringe". Ein Funkloch provoziert Wutausbrüche, ein leerer Akku Angstzustände. Aber könnte man denn nicht eine Woche ohne den Gürtelschnallen-Beschwerer leben? Einfach so?


    Der erste Tag ohne Handy kommt einem vor wie ein Urlaub am White Beach auf den Philippinen, während daheim die Fußball-Weltmeisterschaft tobt. Einerseits genießt man die Ruhe und Entspannung, andererseit hat man nicht nur das Gefühl, etwas zu verpassen - man weiß ganz sicher, dass man etwas verpasst. Am Nachmittag überlege ich, wer angerufen oder eine SMS geschrieben haben könnte. Da ich keinen Festnetzanschluss habe, muss ich zur Telefonzelle – ja, diese Dinger gibt es tatsächlich noch – am Ende der Straße, um mich mit einem Freund zu verabreden. "Aber sicher um Punkt acht", brülle ich ins Telefon. "Ich bin nicht mehr zu erreichen." Er kam 15 Minuten zu spät.


    Nach drei handylosen Tagen werden die Angstzustände größer. Was, wenn jemand angerufen hat und mir das Jobangebot meines Lebens machen wollte? Vielleicht hat sich die Radiostation gemeldet und will mich am 100.000-Euro-Gewinnspiel teilnehmen lassen, ich muss allerdings sofort zurückrufen. Ich beruhige mich damit, dass die Wahrscheinlichkeit dieser Anrufe ungefähr so hoch liegen wie der Einschlag eines Blitzes in meinen Kopf. Dennoch: Es ist so beunruhigend wie ein Computerspiel, dessen Highscore sich einfach nicht knacken lässt.


    Dafür wird man in der handylosen Zeit disziplinierter und freundlicher. Ich komme pünktlich zu Verabredungen. Ich rufe niemanden nach 22 Uhr an. Ich schicke keine unpersönliche Grußformel-SMS zum Geburtstag, sondern schicke eine handgeschriebene Karte oder erscheine gar persönlich mit einem Geschenk in der Hand.


    Irgendwann verschwand auch dieses unangenehme Gefühl beim Joggen am Abend. Wenn jetzt etwas passiert, dachte ich mir am Anfang des Projekts, dann kann ich niemanden anrufen und werde hier elendiglich verrecken. Irgendwann wurde mir klar: Was soll schon passieren? Und wenn beim Joggen etwas geklaut wird, dann doch wohl zuerst das Handy. Ich lief und kam wohlbehalten zu Hause an.


    Ein psychedelisches Konzert


    Erst nach sechs Tagen stellt sich eine Ruhe ein, als hätte ich den Nanga Parbat bestiegen und würde nun hinüberschauen auf die anderen Berge des Himalaya. Wer mich erreichen will, der schafft es schon irgendwie. Und ich habe mir angewöhnt, andere Menschen per Telefon nur dann zu belästigen, wenn es wirklich sein muss.


    Als ich das Handy wieder einschaltete, gab es ein psychedelisches Konzert, auf das Jean-Michel Jarre stolz gewesen wäre. 79 entgangene Anrufe, 18 Ansagen auf dem Anrufbeantworter und 85 nicht erhaltene Kurzmitteilungen. Ich ging die Liste durch: kein tolles Jobangebot, kein 100.000 Euro-Gewinnspiel. Einer brachte es sogar fertig, folgende Nachricht auf der Mailbox zu hinterlassen: "Hey, ich erreiche dich nicht. Na ja vielleicht, ach weißt du was: Ich komme schnell bei dir vorbei. Bis gleich." Noch eine Bilanz: Keiner der Anrufer oder SMS-Schreiber hat sich beschwert, dass ich nicht geantwortet habe. Ich habe nichts verpasst.


    Dennoch bin ich froh, dass da nun wieder ein Gerät in meiner Jackentasche steckt, durch das ich erreichbar sein kann, im Notfall Hilfe holen kann und auch jederzeit Fußballergebnisse abrufen kann. Das Wichtigste dabei: Kann. Nicht muss.


    http://www.sueddeutsche.de/leb…E071022&nlsource=taeglich

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  • [h3]Die Jammermentalität[/h3]
    Ich bin ein begeisterter Leser von Webseiten, wo man auch Kommentare hinterlassen kann. Das ist in vielen Fällen sehr hilfreich, speziell dann, wenn es um Meldungen zu neuen Produkten geht.


    In der letzten Zeit stößt mir das Lesen solcher Beiträge jedoch immer häufiger auf. Der Grund ist dabei weniger die teilweise merkwürdige Auslegung der Rechtschreibregeln durch einige Zeitgenossen – daran habe ich mich mittlerweile gewöhnt und wundere mich nur noch, warum wohl Menschen über Profisoftware im mehrere-hundert-Euro-Bereich diskutieren oder ihren Senf zu neuesten Hardwareprodukten geben, die sie sich, gemessen am Eindruck, den sie hinterlassen, vermutlich nie werden leisten können. Vermutlich alles Lotto-Gewinner ....


    Nein, was mich in den letzten Monaten nervt, ist die anscheinend im Netz weit verbreitete Jammermentalität, die sich, zusammen mit einem heftigen Anspruchsdenken, in solchen Foren manifestiert.


    Da wird beispielsweise berichtet, eine Softwarefirma habe eine Testversion eines Produktes bereitgestellt. Will man alle aktuellen Programme 30 Tage lang kostenlos nutzen, muss man allerdings für immerhin 10 Euro eine DVD anfordern.


    Nun raten Sie, was als Kommentar erscheint. Es wird natürlich als erstes festgestellt, dass es doch eine Frechheit ist, dass nicht die gesamte DVD zum Download bereitsteht. Kein Gedanke, dass man schlicht zur Kenntnis nimmt, dass das Unternehmen mit seiner Software anstellen kann, was es möchte und eine DVD zu versenden im Hinblick auf die Bandbreite durchaus sinnvoller sein kann.


    Oder es wird gemeldet, ein Hersteller habe ein altes Gerätemodell wie geplant und üblich aus dem Handel genommen. Was für eine Unverschämtheit – das Unternehmen folgt einfach seiner Produktplanung. Und dann bietet es wieder nicht genau das Gerät an, das ich haben möchte – warum fragen die mich nicht endlich, bevor sie etwas entwickeln? Und überhaupt – das ist doch alles viel zu teuer. Und mit der Einstellung wird es das Unternehmen nicht mehr lange machen – das sage ich schon seit Jahren.


    Die Diskussion ist munter und nimmt Fahrt auf, nur dass es nicht um den Inhalt der Meldung geht, sonder um jede Form persönlicher Frustration.


    Eine kostenlose Software wird veröffentlicht, eine nette Sache, nicht wahr? Aber warum ist kein Handbuch dabei? Und warum kann ich die Oberfläche nicht auch grün darstellen? Und warum kommt der Entwickler nicht zu mir und küsst mir die Füße?


    Eine Firma versieht Ihre teure Software, mit der sie ihr Geld verdient und die Mitarbeiter bezahlt, mit einem Kopierschutz, nachdem das Programm weltweit jahrelang gestohlen wurde. Eine bodenlose Frechheit – ich darf das Programm nicht mehr illegal an alle Freunde und Verwandte weiterverschenken? Wie, ich soll für etwas, das ich benutze, auch noch bezahlen? Ich arbeite doch auch umsonst in meiner Firma.


    In einem Artikel wird ein Produkt genannt und ein Herstellername. So eine Schweinerei, da ist kein Link dabei. Nun soll ich doch tatsächlich selbst nach etwas googeln, das mich interessiert? Womöglich eigenhändig den Produktnamen in das Suchfeld kopieren? Wie unerhört – und das auch noch, wo ich für die journalistische Leistung nichts bezahle.


    Wenn Sie glauben, dass das ein Einzelfall ist, schauen Sie sich einmal im Web um. Da werden lustig bar jeder Sachkenntnis Vorurteile kolportiert, Behauptungen aufgestellt und weit am Thema vorbei Befindlichkeiten verkündet.


    Nun ist es mit dem Internet ja so, dass jeder, der möchte, seine Meinung verkünden darf und das ist auch gut so. Aber steht eigentlich auch irgendwo, dass es sich dabei nur um Jammern und Meckern handeln muss?


    Mit kommentierendem Gruß


    Torsten Kieslich

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  • [h3]Geht der deutsche Winter aufs Hirn?[/h3]
    pssst... lesen Sie leise. Es ist nämlich wieder so weit: Sie kommen aus ihren Verstecken und schicken E-Mails. Also seien Sie vorsichtig, damit Sie nicht auch erwischt werden.


    Ich bin mir sicher, dass es an der Jahreszeit liegen muss. Anders kann ich mir nicht erklären, dass ich in letzter Zeit von sämtlichen in der Republik vorhandenen Paranoikern Post bekomme – das auch noch in allen möglichen Abstufungen.


    Oft sind es nur Fälle von mehr oder minder schwer ausgeprägtem pathologischen Narzissmus, gepaart mit einer ebenso graduell ausgeprägten Artikulationsschwäche, so wie ich es in den letzten Tagen erlebt habe. Diese Mailwechsel verlaufen fast immer gleich: Da stellt dann ein kommunikationsdurstiger Mensch eine schwer zu dechiffrierende Behauptung auf, um in der Folge mehrfach die Argumentation zu wechseln und dabei, sinnbildlich mit mehr und mehr Schaum vor dem Mund, zunehmend verwirrtere Inhalte zu produzieren. Gleichzeitig lassen sich diese Menschen kaum davon abhalten, immer weiter zu schreiben, bis man schließlich gezwungen ist, sie auf die Blacklist des Spamfilters zu packen, um endlich Ruhe vor sinnleeren Ausführungen wie "Und das beste? Was ist eigentlich gekommen? NICTS ,NICHTS nur das was ich bei anderen auch bekommen konnte!!!" zu haben.


    Nun sind diese Kandidaten nicht besonders schlimm, da sie nur etwas Zeit in Anspruch nehmen und zu einer unvermeidbaren Quote an kommunikationsbedürftigen Mitmenschen gehören. Übler ist da schon das, was ich heute in meinem E-Mail-Eingang finden durfte:


    Da fühlt sich doch eine, in der E-Mail-Adresse als Maria Magdalena firmierende, anderweitig aber mit einem viel profaneren Namen ausgestattete Person tatsächlich genötigt, mir anzubieten. Dabei handelt es sich dann um einen Wahnwitz in Gestalt einer typischen Verschwörungstheorie über die Illuminaten, garniert mit einem Word-Dokument (welcher Benutzer ist wohl so risikofreudig, so etwas zu öffnen?) und der Aufforderung, diese geistige Diarrhoe per E-Mail weiterzuleiten und auch noch auszudrucken und zu verteilen. Unnötig zu sagen, dass dieser Mumpitz mich auch bereits in Gestalt einer Spam-Serienmail erreicht hat.


    Es muss mit der Jahreszeit zu tun haben, dass Verschwörungstheoretiker und ähnliche Paranoiker immer wieder von Neuem aktiv werden. Dabei möchte man ihnen eigentlich die inzwischen berühmten Worte von Dieter Nuhr ans Herz legen: "Wenn man keine Ahnung hat: Einfach mal Fresse halten".


    Im Ernst, woher kommt eigentlich dieses seltsame Bedürfnis, mit völlig abwegig konstruierten Geschichten, die immer jede Menge Beteiligter voraussetzen, die über Jahre hinweg absolutes Stillschweigen bewahren? Wie soll das überhaupt gehen - wo wir doch mittlerweile wissen, dass es kaum einen Menschen gibt, der im Angesicht eines Mikrofons oder einer Talkshow auch nur für fünf Minuten das Hirn einschalten kann, bevor er lustig sein Seelenleben oder andere Wichtigkeiten in die Kamera stammelt?


    Na, wie auch immer, unser oben genanntes Mariechen ist in guter Gesellschaft, denn ihr Illuminatenaufguss gehört gewissermaßen zu den Top Ten der Hitliste frei schwebend angelegter, bizarrer Theorien*, wie etwa:


    • AIDS als vorsätzlich erzeugte Krankheit zur Dezimierung von Homosexuellen,
    • die Beherrschung der Welt durch die Jahrhunderte alte Geheimorganisation der "Illuminaten",
    • die Kontrolle von Drogenhandel, Pornographieproduktion und Kinderprostitution in aller Welt durch ein globales Netzwerk von Satanisten,
    • den Untergang der Titanic als geplanter Versicherungsbetrug,
    • die Inszenierung der ersten Mondlandung im Hollywood-Studio zur Vorspiegelung der technischen Überlegenheit der USA,
    • den Abschuss des Space Shuttle Columbia durch die US Air-Force im Rahmen eines Testprogramms für Laserwaffen,
    • ein Abkommen zwischen der US-Regierung und Außerirdischen über medizinische Experimente an entführten Menschen, :lol2:
    • Kondensstreifen am Himmel als Beleg für die vorsätzliche Kontaminierung der Erdatmosphäre mit hochgiftigen Schwermetallen zur Verlangsamung der globalen Erwärmung.


    Leider hat das Internet dafür gesorgt, dass jede Menge solchen geistigen Giftmülls in die freie Wildbahn entlassen wird und fröhlich seine Abnehmer findet, die mit derart simpel gestrickten Erklärungsmodellen ihr Weltbild zusammenkitten. Dabei spielen auch verschiedene Faktoren eine Rolle, die bei bestimmten, ich nenn das jetzt einmal "Vorschädigungen’, zu einer zwanghaften Unbelehrbarkeit (Versuchen Sie mal, mit rationalen Mitteln einen Verschwörungstheoretiker davon zu überzeugen, dass er Unsinn redet.) bei gleichzeitigem messianischem Eifer führt.


    Einerseits verschwimmt für diese Menschen der konstruktivistische Denkansatz derart, dass sie nicht mehr zwischen "tatsächlich", "wahrscheinlich" und "blödsinnig" unterscheiden können und andererseits ist das Verständnis eines ziemlich komplexen Weltmodells so gestört, dass hier zu simplen Einzelursachen und Kausalketten gegriffen wird.


    Die einen (harmloseren) leben so etwas dann in wilden "Illuminaten"-, "Nasa"- oder sonstigen Theorien aus, die anderen (gefährlicheren) bedienen sich politischer Theorien, wahlweise aus dem rassistisch-fremdenfeindlichen oder religiösen Bereich.


    Wie auch immer, kommt ein solcher Mist auch noch als Spam daher, nervt er nicht nur, sondern wird wirklich zur Plage. Lassen Sie sich also bitte nicht darauf ein, solche Kettenbriefe weiterzuleiten.


    Und warum ich das hier alles einfach so als Mumpitz abwerten darf? Ganz einfach: Ich weiß Bescheid. Ich bin ihnen nämlich auf die Spur gekommen. Ehrlich. Und ich verrate es Ihnen jetzt auch: All diese Verschwörungstheorien dienen nur dazu, zu verschleiern, dass herauskommt, dass es Bielefeld gar nicht gibt.

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  • [textarea]Wie, Sie haben noch immer ein Bankkonto? Aber ich bitte Sie, in welchem Entwicklungsland leben Sie denn? Das ist ein ganz einfaches Rechenexempel, und wenn Sie schon an veralteten Systemen hängen, rechnen werden Sie doch wohl können: Schauen Sie doch z.B. mal nach Indien. Da ist man Ihnen weit voraus und nutzt das Handy als mobiles Bankkonto. 450 Mio. Menschen unterhalb der Armutsgrenze ohne Chance, jemals eine Bank von innen sehen zu dürfen, aber 300 Mio. davon haben ein Handy.


    Weltweit gibt es rund 4 Mrd. Handys, um Zehnerpotenzen mehr als es Bankkontos gibt. 1.3 Mrd davon tragen das Logo von Nokia. Also nur logisch, dass Nokia sich am mobilen Bezahldienst Obopay beteiligt hat, der es Kunden erlaubt, Geld untereinander bargeldlos per Handy über SMS oder email zu transferieren und damit z.B. Rechnungen zu begleichen. Und nein, es ist kein Zufall, dass Obopay in Redwood City in Kalifornien gegründet wurde, einem anderen Land mit einer stark wachsenden Anzahl armer Menschen, die sich kein Bankkonto leisten können.[/textarea]

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  • Sie sind doch ein Fan von sozialen Gemeinschaften, wollten schon immer dazu gehören, zu einer großen, bedeutenden Gruppe. Jetzt gehören Sie dazu, zu den 150 Mio. weltweit, zu den 50.000 täglich. Naja, nicht Sie persönlich, aber Ihr PC. Aber versklavt haben Sie ihn. Sie haben doch die email angenommen, sozusagen das Trojanische Pferd zur Haustür reingelassen, indem Sie die angehängte .exe, .com oder .bat Datei geöffnet haben. Und seither erhalten viele Millionen Menschen von Ihnen emails. Wie, davon wissen Sie nichts? Haben Sie sich noch nie gewundert, dass Ihr PC auch dann im Internet rödelt, wenn Sie Ihm eigentlich nichts zu tun gegeben haben? Sie wissen auch nichts davon, dass Ihr PC regen Kontakt zu dem Programmierer des Trojaners hat und sich dort immer wieder neue Aufgaben und Empfängeradressenlisten abholt?
    Gratuliere, damit gehören Sie wirklich einer großen Community an, den rund 150 Mio. unwissenden Menschen weltweit, deren PC´s bereits von der Spammafia gekapert wurde und für deren Spambotarmee rekrutiert wurde.
    Sagen Sie jetzt nichts, lassen Sie z.B. das Gratisprogramm gmer.exe sprechen, ob Ihr PC tatsächlich schon der Armee angehört.

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  • Ich weiss, ja, Sie haben es schon vorher gewusst. Noch vor der ARD, vor dem ZDF, ja sogar vor dem Bundepräsidenten. Sie wussten, dass Horst Köhler sein Amt behalten würde, noch bevor er selber es erfuhr, Sie kannten den Ausgang der Europawahl und zuletzt das Ergebnis der Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und im Saarland, noch bevor die Wahlurnen geschlossen wurden. Wer hat Ihnen das nur zugezwitschert? Klar doch, Twitter hat mal wieder gezwitschert, wie so oft, weil diejenigen, die die Befragung der Wähler direkt nach dem Urnengang am Wahltag ausgewertet haben, mal wieder nicht die Finger ruhig halten konnten und gleich alles auf ihr Handy der gierig wartenden Twittergemeinde zugeführt haben, und damit die ersten Wahlprognosen um über eine Stunde bei gleicher Genauigkeit abgehängt haben.


    Sie wollen aber noch früher das Wahlergebnis wissen, um mit Ihrem ausgeprägten Mitleidsgefühl den Minderheitsparteien wie der SPD im letzten Moment doch noch Ihre Stimme zu schenken? Oder vielleicht noch viel früher? Tage früher? Ja, wozu wählen Sie denn dann überhaupt noch, wozu wählt denn da die ganze Republik noch? Twitter mit ein paar Tausend zufällig ausgewählten Wählern weiss es doch schon vorher mit wenigen Prozentpunkten Ungenauigkeit. Oder wissen Sie was, wir verzichten sogar auf Twitter und ziehen wie beim Lotto die diesmaligen Wahlsiegerparteien, unter Aufsicht eines Notars natürlich. Zu viel Zufall für Ihren Geschmack? Dann eben noch gerechter, wir bestimmen im Rotationsverfahren alle 4 Jahre andere Parteienkombinationen als Wahlsieger. Und das überraschende, es würde sich nichts Grundlegendes an der Politik ändern. Ja, nu weisse bescheid, aber jeder, nicht nur Sie.

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  • Computer und Telekommunikation ("ITK") sollen dem Menschen nützen. Aber nicht nur dem, wie ein brandneues Produkt beweist. Dass ein USB-Speicher nicht nur für Menschen nützlich ist, beweist nämlich die K&P electronic GmbH mit dem neuen Hunde-USB-Stick, der auf den trefflichen Namen „doggyDATA“ getauft wurde:




    Gehüllt in ein robustes Silikon- oder Edelstahlgehäuse befindet sich auf dem mobilen Datenspeicher eine kleine Software, die alle wichtigen Daten vom "besten Freund des Menschen" erfasst und sicher aufbewahrt. DoggyDATA speichert nicht nur Name und Adresse des Hundes (bzw. seines Besitzers), sondern zudem alle Besonderheiten des Hundes und eine eventuelle Krankengeschichte.


    Sollte das Tier also einmal entlaufen, kann der Finder die Daten ganz einfach und schnell an jedem PC oder Notebook auslesen und den Besitzer des umtriebigen Hausgenossen kontaktieren. Im medizinischen Notfall stehen zudem dem behandelnden Tierarzt alle relevanten Daten über den Ausreißer schnell zur Verfügung. Bislang gab es ja nur RFID-Chip-Implantate, um z. B. Zootiere zu identifizieren. Für Discobesucher gibt es zudem vereinzelt auf freiwilliger Basis RFID-Implantate, die zum Vereinfachen von nächtlichen Zahlungsvorgängen dienen, wenn szenebedingte motorische und synaptische Dysfunktionen technisch überwunden werden sollen.


    Bei 5,5 Mio. Hunden in Deutschland kann ich jedenfalls der Firma zu diesem Geniestreich für den Vertrieb von USB-Sticks nur gratulieren. Allerdings: Wann kommt endlich das Handy für sprechende Sittiche und Papageien?

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    Wir werden wieder Normalität herstellen, sobald wir herausgefunden haben, was das eigentlich ist.

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  • Ja, bis bald, denn ich kann doch davon ausgehen, dass Sie auch teilnehmen werden, oder? Nötig hätten Sie es sicherlich. Schauen Sie sich doch nur mal im Spiegel an. Ein typischer Junkie mit unübersehbaren Symptomen. Leichter Tremor in der Stimme nach nur 10 Minuten Entzug, wirr suchender Blick, ständig tastende Hände, Blick nach unten, wenn Ihnen reale Menschen begegnen.


    Aber das sage ich Ihnen, das wird bitter, der Entzug. Denn der Staat Washington ist nicht direkt um die Ecke. Aber idyllisch ist es dort auf den 5 Hektar Naturreservat. Da lässt es sich schon die 45 Tage aushalten, die die Therapie dauert. Auch die 10.000 Euro dafür sind sicher kein Pappenstiel, aber jeden Cent wert. Zumindest meinen das die Eltern in den USA, die ihre computersüchtigen Kinder dort massenweise ins Therapiezentrum „restart“ schicken, wenn Sie sonst keinen Ausweg sehen, um sie wieder ins normale Leben mit normalen Sozialkontakten zu bringen.


    Immerhin kriegen Sie dafür den totalen Entzug: Kein MP3-Player, kein Handy, kein Laptop, kein PC, keine Spielekonsole und kein Internet, ja, richtig gehört, KEIN Internet. Korrekt, das bedeutet, keine emails, keine SMS, kein Twittern, kein Solando.


    Lohnt sich doch für Sie, um Sie von Ihrer Computersucht zu befreien. Und die 10.000 Euro machen Sie doch locker locker, bei ihrem Verdienst!! Was arbeiten Sie noch mal? Oh, Spielesoftwareentwickler? Oooops.

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    Wir werden wieder Normalität herstellen, sobald wir herausgefunden haben, was das eigentlich ist.

  • Wie, wieso ich Sie so persönlich anspreche? Ich kenne Sie nicht? Verehrter Herr, verehrte Dame, das können wir ändern. Geben Sie mir einfach mal kurz Ihren neuen elektronischen Personalausweis ePA zum Auslesen an meinem PC, den sich nach jetziger Planung jeder Bürger ab November ausstellen lassen kann, und ich verrate Ihnen Dinge über Sie, die nicht mal Sie selber kannten. Name und Adresse, kennen Sie natürlich. Geschlecht? Ja. Geburtsdatum und Körpergröße, kennen Sie, wollten Sie aber eigentlich für sich behalten. Biometrische Daten ihres Gesichts? Naja, unvermeidbar beim Rasieren, Haarkämmen oder Hut Zurechtrücken täglich vor Augen. Kreditwürdigkeit? Zum Tanken reicht es gerade noch.


    Ich verrate Ihnen aber noch mehr über sich, in Zusammenhang mit ihrer elektronischen Gesundheitskarte, die ich mit Ihrem ePA gleich mit authentifizieren kann. Aha, wohl häufiger Saunagänger bei Ihrer exzessiven Verschreibung von Fusspilzsalben, und die Gnädigste war schon lange nicht mehr beim Gynäkologen? Naja, wo nichts benutzt wird, kann auch nichts kaputt gehen. Und wenn wir schon mal dabei sind kann ich auch gleich mal mit Ihrem ePA Ihre Steuerdaten auf Elster und Arbeitsdaten auf ELENA authentifizieren. Zweimal von Ihrem Arbeitgeber abgemahnt, aber trotzdem frisch eine neue Hypothek aufgenommen? Arm dran, kann ich aus Einsicht in Ihre gesamten drei Karten nur schließen.


    Na gut, Sie haben recht, ohne Ihr 6 stelliges Passwort (wie lautet nochmal der Mädchenname Ihrer Mutter mit 6 Buchstaben?) kann ich mit Ihrem ePA nicht viel anfangen. Sie aber, und das ist durchaus praktisch, emails ver- und entschlüsseln, und zur Authentisierung in E-Commerce- und E-Government-Anwendungen nutzen.


    Sie schreckt das Missbrauchspotenzial nicht, sagen Sie? Ja, sind Sie naiv oder unverbesserlich obrigkeitsgläubig? Weder noch? Recht haben Sie.


    Lassen Sie uns gemeinsam an die Fehlbarkeit der Programmierer glauben. Wenn beim letzten Jahreswechsel 2010 durch das Verwechseln einer Dezimal- mit einer Hexadezimalzahl ein einzelner Programmierer gut 30 Mio. Geldkarten unbrauchbar machen und damit tagelang Bezahlen und Geldabheben von ebenso vielen Menschen verhindern konnte, sind wir bester Hoffnung, dass es sobald nicht zu dem ePA kommt.

  • [textarea]Ja, ich weiss ja, die Zeiten sind krisenhaft. Erst die Immobilienkrise, dann die Bankenkrise, in Folge die Wirtschaftskrise, dann die Griechenlandkrise, in Folge die Eurokrise und jetzt droht die Inflation. Und da sollen Sie noch irgendjemanden dazu bewegen können, Ihnen Ihre Produkte ab zu kaufen? Klar wissen Sie wie das Verkaufen geht. Sie werfen 100 Euro für Werbung raus und hoffen, damit 200 Euro wieder einnehmen zu können.


    Gewiss doch, es sind harte Zeiten - aber nur für die, die nicht genug Fantasie haben. Nehmen Sie doch da einfach mal so als Beispiel einen gewissen Steve Jobs. Ist ja egal, ob Sie ihn kennen oder nicht. Der hat nicht nur Apple gegründet, sondern ist auch noch bzw. wieder deren Chefguru. Der will im Sommer sein neues iPhone 4G unter die Leute bringen. Das ist so eine Art Handy, wissen Sie? Kennen Sie nicht? Macht nichts, keiner kennt es, denn sein Innenleben, ja sogar sein Aussehen ist besser gehütet, als die Kontodaten der Telekomkunden. Ach so, ne, vielleicht kein so glücklicher Vergleich. Weil der gewisse Herr Jobs aber zu knauserig ist, viele Millionen in die Hand zu nehmen, um das Gerät PR-mäßig ordentlich zu pushen, nimmt er den Prototyp und lässt es verlieren, in einer Kneipe.


    Vielleicht war ja alles auch ganz anders. Naja, egal, bleiben wir bei den Fakten. Sie können sich die Situation vorstellen, überarbeiteter Apple-Hardwareentwickler, spät abends und müde, noch einen Absacker und dann bleibt es auf den Tresen liegen. Kommt vor. Darauf gelangt das Gerät mirakulöser weise zum einflussreichen Technologieblog Gizmodo, das ausführlich darüber berichtet. Da viele Techjournalisten bei Gizmodo abschreiben, schmunzelt über die Story blitzschnell die ganze Welt. Gratis, versteht sich. Nachdem sich der erste Hype gelegt hat, klagt Apple gegen Gizmodo auf Herausgabe, Gizmodo berichtet darüber, und, naja, der Rest ist wie gehabt. Die Welt erregt sich darüber. Gratis, versteht sich. Und die Vorbestellungen für das neue iPhone steigen in astronomische Höhen.


    Und Sie lamentieren immer noch über die Wirtschaftskrise und die teure PR? Wie uncool.[/textarea]