Hier sind die aktuellen, furchtbar langen Meldungen über die WM, die niemand lesen will, deshalb habe ich sie in ein eigenes Thema gepackt.
WM 2006 - Berichte
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Elchtest bestanden - Deutschland im kollektiven Glückszustand
Von Roland Losch
Deutschland ist schon in Weltmeister-Stimmung. Nach dem bestandenen Elchtest feierten Millionen Fans am Samstag bis in die Nacht hinein auf Straßen und Plätzen. In München schlossen sich viele der 20.000 Schweden, die mit ihrer Mannschaft angereist waren, dem allgemeinen Freudenfest einfach an.
Sekunden nach dem Schlusspfiff in der Allianz-Arena verwandelte sich die Leopoldstraße in ein Meer aus schwarz-rot-goldenen Fahnen. Zehntausende strömten aus Straßencafés und Nebenstraßen herbei, wildfremde Menschen fielen sich in die Arme, hüpften im Kreis und sangen «Fii-naa-lee, o-ho». Andere riefen im Chor: «Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!»
Feiern ohne Ende
Ein Mädchen im gelben Schwedentrikot überragte die Menge und fotografierte die Szene lachend - ein junger Mann im weißen Trikot der deutschen Elf trug sie auf den Schultern. Joacim Liedman aus Halmstaa in Südschweden sagte: «Ich hatte wirklich gehofft, dass wir euch schlagen.» Dann hob er seine Bierflasche und stieß mit deutschen Fans an, die ihm tröstend auf die Schulter klopften: «Jetzt machen wir das Beste draus!»
Vidar Olovsson aus Stockholm aber war so enttäuscht von seiner Mannschaft, dass er das Trikot schon zur Halbzeit ausgezogen hatte. «Die spielen wie Zehnjährige», sagte er. Eine andere Gruppe schwenkte dagegen die blau-gelbe Flagge fast so fröhlich wie die deutschen Fans ihre. «Wir genießen die Atmosphäre», erklärte Tim Leafblad aus Minnesota in den USA. «Die Eltern meines Vaters kommen aus Schweden.» Bisher hätten sie den Amerikanern und den Schweden die Daumen gedrückt - «aber ich habe auch einen deutschen Hut», sagte Leafblad. «Als Souvenir. Und weil einer meiner Schwiegersöhne deutsche Vorfahren hat.»
Eine junge Frau in Latzhose aus Kunstrasen und
schwarz-rot-goldenen Blumen zog viele Blicke auf sich. «Sie heißt Sabine, und wir feiern hier Junggesellenabschied», erklärte eine Freundin. Mit Fußball hätten sie nicht so viel am Hut. Aber wer Weltmeister wird, beantworten die sieben Frauen wie aus der Pistole geschossen: «Deutschland!»Louis aus Starnberg muss ein bisschen überlegen, aber dann kommt auch er zu dem selben Schluss: «Wir werden Weltmeister!» Der Student aus Tutzing hat die beiden frühen Tore von Lukas Podolski gar nicht gesehen. «Wir waren im Englischen Garten, aber da war's zu voll», erklärt er. Egal - jetzt tanzt er mit auf Münchens Partymeile: «Die Stimmung hier ist einfach gut!»
Der Posaunenchor der Erlöserkirche Fürstenfeldbruck zieht vom Siegestor her ein und bläst im Takt von Fans, die den Namen des neuen Helden skandieren: «Lukas Po-dol-ski!» Zwei Trachtler vom Hochplattner singen «Fii-naa-lee», während ihre Freundinnen vom Fernsehen interviewt werden. «Ich bin schon zufrieden, wir können stolz sein auf unsere Mannschaft», erklärt der Hofer Michi. «Wie's jetzt läuft, ist alles drin.» Und er reckt den Zeigefinger gen Himmel und singt weiter: «Fii-naa-le, o-ho-ho-ho».
«Das war ein richtiges Familienfußballfest», sagt Polizeisprecher Wolfgang Wenger am Sonntag. «Diese euphorische Stimmung, dieses WM-Fieber hält weiter an. Das ist auch für uns sehr angenehm und schön.» Allein zwischen Münchner Freiheit und Siegestor feierten rund 60.000 Menschen eine riesige Party - noch um 03.00 Uhr früh gaben sich 1.500 Menschen dem Freudentaumel hin.
Abkühlung im Olympiasee
Während in Stuttgart englische und deutsche Fans mit Flaschen und Stühlen aufeinander losgingen und die Polizei mehr als 300 Menschen festnahm, ging es in den anderen deutschen Städten friedlich zu. In München zum Beispiel mussten die Beamten nur 98 Mal tätig werden, meist wegen kleiner Delikte wie Taschendiebstahl, dem Abbrennen einer Signalfackel mitten in der Menge oder einer Schlägerei zweier Fans, die sich wegen des Blicks auf die Leinwand im Olympiapark in die Haare bekamen.
Bei 31 Grad Hitze flossen Schweiß und Bier in Strömen. «Manche Fans haben sich intensiv vorbereitet», sagte Wenger. «Manche haben zu wenig getrunken, manche haben zu viel getrunken.» Der Olympiasee wurde ebenso wie die Brunnen in der Innenstadt zur Abkühlung erhitzter Leiber und zur Kühlung von Bierkästen genutzt.
Auf dem Fanfest im Olympiapark und im Olympiastadion, wo die deutsche Elf 1974 Weltmeister geworden war, drängten sich 60.000 Menschen vor den Großbildwänden. Schon zwei Stunden vor dem Anpfiff wurden die Zugänge wegen Überfüllung geschlossen - wie die Fanfeste in vielen anderen deutschen Großstädten auch.
Das Rote Kreuz behandelte hier und auf der Leopoldstraße über 200 Menschen mit Sonnenstich, Kreislaufkollaps oder kleineren Blessuren - vor allem Schnittverletzungen durch Glasscherben.
Die Stadtreinigung kehrte mehrere Dutzend Tonnen Glas und Müll von der Straße. Am Morgen war wieder alles sauber - bis zur nächsten Party, am nächsten Freitag, beim Viertelfinale gegen Argentinien. (N24.de AP)
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Argentinien müht sich ins Viertelfinale
Der zweifache Fußball-Weltmeister Argentinien hat sich nur mit Mühe für das Viertelfinale bei der WM in Deutschland qualifiziert. Im zweiten Achtelfinale des Turniers setzte sich der Turnier-Mitfavorit mit 2:1 (1:1, 1:1) erst in der Verlängerung gegen Mexiko durch und trifft damit am nächsten Freitag (17 Uhr) im Viertelfinale auf die DFB-Auswahl.
Im WM-Stadion Leipzig brachte Mexikos Kapitän Rafael Marquez seine Mannschaft zunächst in Führung (6.), nur drei Minuten später traf Jared Borgetti zum 1:1- Ausgleich ins eigene Tor (9.). Nachdem nach 90 Minuten keine Entscheidung gefallen war, gingen beide Teams in die Verlängerung. Maxi Rodriguez erlöste seine Mannschaft in der 98. Minute mit dem 2:1-Siegtor.
Die muntere Partie in Leipzig setzte den Trend der frühen WM-Tore fort. Mario Mendez leitete einen Freistoß auf den zweiten Pfosten weiter, Superstar Marquez schoss ein. Doch die Freude währte nicht lange: Der wiedergenesene Angreifer Borgetti, der nach der schlechten Chancenverwertung in der Vorrunde im Angriff der Mexikaner wieder für mehr Schwung sorgte, kam im eigenen Strafraum dem Argentinier Hernan Crespo zuvor und bugsierte einen Eckball per Kopf ins eigene Netz.
Chancen auf beiden SeitenDie beiden frühen Tore taten dem Anfangsschwung der ansehnlichen Partie keinen Abbruch. Im Gegenteil. Nach einem klugen Pass von Esteban Cambiasso marschierte Crespo alleine auf Mexikos Torwart Oswaldo Sanchez zu, doch der Heber strich knapp über die Torlatte (23.). Auf der Gegenseite versuchte Borgetti sein Eigentor mit einem Weitschuss wieder wett zu machen, die neuerliche Führung des Außenseiters konnte Argentiniens Schlussmann Roberto Abbondanzieri gerade noch verhindern (25.).
Die letzte Chance der ersten Halbzeit, in der die Mexikaner dem Spielwitz des Favoriten aus Argentinien viel Engagement entgegensetzten, hatte Mexikos Ramon Morales. Sein Freistoß aus gut 25 Metern landete allerdings in der Mauer.
Zu Beginn der zweiten Hälfte ließen es beide Mannschaften zunächst etwas ruhiger angehen, bis Borgetti die Akteure aus der Halbzeit-Lethargie riss. Der Angreifer tauchte frei vor dem argentinischen Tor auf, konnte den Ball aus fünf Metern aber nicht am gut aufgelegten Abbondanzieri vorbeibringen (54.). Drei Minuten später spielt Riquelme auf der anderen Seite den schnellen Javier Saviola mit einem tollen Pass frei, doch auch Mexikos Schlussmann Sanchez war zur Stelle.
Messis Tor nicht gegeben
Kurz vor der Verlängerung hätte der eingewechselte Lionel Messi der Spieler des Abends werden können, doch Schiedsrichter Busacca machte dem Jung-Star vom FC Barcelona einen Strich durch die Rechnung. Nach einem Pass von Aimar schob der Stürmer den Ball ins verwaiste Tor, das Referee-Gespann versagte dem Treffer jedoch die Anerkennung.
In der ersten Halbzeit der Verlängerung hatten die Argentinier dann doch noch Grund zum Jubeln. Maxi Rodriguez drosch den Ball in der 98. Minute von der rechten Strafraumecke volley in das gegenüberliegende obere Toreck. Eines der schönsten Tore bei dieser WM. In der verbliebenen Spielzeit, in der beide Mannschaften nicht mehr viel zu Wege brachten, schafften die Mexikaner die Wende nicht mehr. Argentinien trifft im Viertelfinale nun auf den WM-Gastgeber.
(N24.de, Netzeitung)
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Deutschland im Tränenmeer - Spekulationen um Klinsmann
Von Torsten Holtz
In einer ersten Bilanz sprach Bundestrainer Jürgen Klinsmann in der Nacht zum Mittwoch Millionen Fußballfans aus der Seele: "Die Mannschaft hat das ganze Turnier über super gespielt und ihr ganzes Herz und ihre ganze Leidenschaft investiert. Sie haben ein ganzes Land stolz gemacht." Seine berufliche Zukunft als Bundestrainer ließ der 41-Jährige weiter offen und erbat sich Bedenkzeit.
Bundespräsident Horst Köhler machte dem 23-köpfigen Kader, der noch in der Nacht von Dortmund ins Berliner WM-Quartier gereist war, Mut: "Es hat nicht gereicht - aber Sie haben sich trotzdem in die Herzen der Deutschen gespielt!", hieß es am Mittwoch in einem Schreiben Köhlers an Klinsmann und sein Team. Die Mannschaft habe "wunderbar ideenreich und selbstbewusst gespielt", schrieb Köhler. "Diese Mannschaft ist bei weitem noch nicht am Ende ihrer Möglichkeiten. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel." Er sei sicher, dass die Spieler bei der nächsten Europameisterschaft wieder Großes leisteten.
Optimistischer Blick in die Zukunft
Dem stimmte auch Klinsmann zu: "Es wachsen hier Spieler heran, die ein unglaubliches Potenzial haben. Der Entwicklungsprozess geht weiter. Es darf uns nicht bange sein, wir können optimistisch in die Zukunft blicken."
Doch ob der Bundestrainer bei der EM 2008 in Österreich und der Schweiz noch Klinsmann heißt, ließ der 41-Jährige weiter offen. Er brauche nach WM-Schluss einige Tage Bedenkzeit für sich und seine Familie, sagte der Coach mit Wohnsitz in Kalifornien. Direkt nach der Niederlage fiel es ihm schwer, Zukunftspläne zu schmieden. "Es ist völlig unwichtig, was mit meiner Person geschieht", sagte er und fügte an: "Jeder ist riesig enttäuscht. Wir alle hatten einen großen Traum, der nicht wahr geworden ist. Es braucht Zeit, das zu schlucken." Franz Beckenbauer sagte, er hoffe, dass Klinsmann trotz des Ausscheidens weitermache.
Teammanager Oliver Bierhoff geht nach eigenen Worten davon aus, dass Jürgen Klinsmann weiter Bundestrainer bleibt. "Ich bin zuversichtlich, dass er das, was er hier ins Rollen gebracht hat, auch weiterführt", sagte er der "Sport-Bild". Der Teammanager begründete seine Zuversicht mit den Worten: "Weil ihm die Arbeit großen Spaß macht und man spürt, dass die Mannschaft seine Arbeit optimal umsetzt. Die Mannschaft, die ihr Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft hat, liegt ihm am Herzen."
Statt Berlin nun Stuttgart
Italien trifft nun im Endspiel am Sonntag in Berlin auf den Sieger des zweiten Halbfinales zwischen Frankreich und Portugal. Den Deutschen bleibt das Spiel um den dritten Platz am Samstag in Stuttgart. Assistenztrainer Joachim Löw sagte, die deutsche Elf könne erhobenen Hauptes vom Platz gehen. "Es war ein unglaublicher Kampf, beide Mannschaften waren fast stehend K.o. Aber man muss das Positive sehen, wir haben eine sehr junge Mannschaft, heute hatten wir nicht das Quäntchen Glück, das man braucht, um Weltmeister zu werden." Bierhoff versprach: "Wir wollen jetzt auch das letzte Spiel gewinnen, ich bin überzeugt, dass wir einen schönen Abschluss sehen werden." (AP, N24.de)
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Eine Niederlage, die wie ein Sieg ist
Von Stephan Kabosch
Brutaler, schmerzhafter, gnadenloser kann Fußball nicht sein. Ein Doppelschlag der Italiener in den beiden letzten Minuten der Verlängerung ließ Deutschlands Traum vom Weltmeistertitel platzen. Jürgen Klinsmann und seine Elf haben es nicht ganz geschafft. Aber sie haben dennoch Großes geschaffen.
Es wird seine Zeit brauchen, diese Nacht von Dortmund zu verarbeiten. Aber eigentlich jetzt schon, bei Lichte betrachtet, sollten allein all die erfreulichen Aspekte der vergangenen Wochen den Blick nach vorne beherrschen: Die Leichtigkeit des Seins dieser Mannschaft, ihre Spielfreude, ihre Risikobereitschaft, ihre Begeisterungsfähigkeit, der Funke, den die Klinsmänner zum Überspringen gebracht haben. Das Scheitern im Halbfinale nach fünf Siegen in Folge ist ein weit größeres Verdienst, als hätte sich wie vor vier Jahren eine weitgehend biedere Mannschaft ins Endspiel gemogelt. Die unmittelbare Gegenwart der Niederlage, sie tut weh. Doch da sind die Aussichten auf eine goldene Zukunft des deutschen Fußballs.
Das Gesicht des Landes verändert
Was weit über den sportlichen Wert hinausgeht: Klinsmann, Ballack und Co. haben diese Nation zu einer Wohlfühlgesellschaft werden lassen, wie man es sich kaum vorstellen konnte. Die Fanmeilen, die schwarz-rot-goldenen Fahnenmeere, auffallend oft ein Lächeln im Straßenverkehr, die Rücksichtnahme an der Supermarkt-Kasse – all das hat das Gesicht dieses Landes in den vergangenen Wochen verändert. Es ist im Ausland offen, freundlich, es ist sympathisch aufgenommen worden.
Was aber wird bleiben, wenn ein Land endgültig aufwacht im Kater nach dem Rausch dieser Tage? Dann wird sich zeigen, was von Patriotismus, Freundlichkeit, Offenherzigkeit vielleicht bloß vorübergehend, möglicherweise auch nur gefühlt war – und was davon real bleiben wird in den Köpfen und Herzen. Es ist jetzt wichtig, dass Deutschland die restlichen Tage dieser Weltmeisterschaft seine Gastgeberrolle so weiterführt wie es das bislang getan hat. Die ganz große, die schwarz-rot-goldene Party mag vorbei sein. Doch das Fest geht weiter bis zum Sonntag. Spätestens dann auch werden viele Bundesbürger aufwachen und realisieren, was fast unbemerkt im Schatten der WM auf politischer Ebene passiert ist. Ein Steuererhöhungspaket und ein Gesundheitsreförmchen mit höheren Beiträgen konnte die Koalition fast ohne öffentlichen Widerspruch beschließen.
Was bleibt hängen?
Natürlich, der Fußball lässt sich nicht eins zu eins umlegen auf die Politik, auf die Wirtschaft, auf die Gesellschaft. Aber wenn der Wille dazu vorhanden ist, dann lassen sich Stimmungen übertragen, dann schwappt etwas über von der Reformfreudigkeit, vom Überwinden von Widerständen, der Aufbruchstimmung, vom Mut zur Veränderung, wie ihn die DFB-Kicker unter der Führung des Wahlkaliforniers in den vergangenen beiden Jahren gezeigt haben. Wenn auch nur ein bisschen davon hängen bleibt, dann haben die Klinsmänner vielleicht mehr für dieses Land getan, als rein sportlich betrachtet ein Finaleinzug bedeutet hätte.
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Fans weinen nach Halbfinal-Niederlage

Enttäuschung statt Euphorie: Auf den WM-Festen ist die grandiose Partystimmung der Traurigkeit gewichen. Die 0:2- Niederlage der Nationalelf gegen Italien im dramatischen Halbfinale von Dortmund stürzte die mitfiebernden Massen am Dienstagabend in die Tristesse. Dabei hatten drei Millionen Menschen auf den Fanmeilen noch lange unverzagt den WM-Hit Nummer eins gesungen: "Fii-naa-lee, ooo-hoo, Fii-naa-lee!" Doch nach den beiden Treffern der "Squadra Azzurra" zum 0:2-Endstand kurz vor Ende der Verlängerung breiteten sich vor den Großbildleinwänden Entsetzen und Stille aus, manche weinten. Die Fans in Schwarz-Rot-Gold müssen erstmals ein ganz anderes WM-Gefühl verkraften - der große Traum vom Endspiel ist vorbei.
Am Ende war alles Zittern, Bangen und Anfeuern vergebens. Vor den Leinwänden schlugen bunt kostümierte Schlachtenbummler die Hände vors Gesicht. Dabei hatten sie das Team einmal mehr weltmeisterlich unterstützt.
Massenandrang vor den Bildschirmen
Beim Daumendrücken hielt es Millionen Menschen nicht zu Hause. Biergärten, Lokale und Kneipen in der ganzen Republik waren rappelvoll. Der Spielort Dortmund verwandelte sich in ein Meer aus Schwarz-Rot-Gold: Mehr als 250 000 Menschen pilgerten in die Stadt, um dem Schlagerspiel so nah wie möglich zu sein - einen solchen Ansturm gab es in der fußballbegeisterten Westfalen-Metropole nie zuvor. Noch kurz vor dem Anpfiff irrten viele auf der Suche nach einem Bildschirm durch die Straßen. Die öffentlichen Übertragungs- Plätze waren wegen des Andrangs von 71.000 Fans längst geschlossen.
Auch in anderen Städten platzten Fanfeste aus allen Nähten - der massivste Fanblock stand wieder in der Hauptstadt. Auf der bundesweit größten Partymeile fieberte laut Senat eine Million Menschen mit. Um den Andrang zu bewältigen, war das Areal eigens um zwei zusätzliche Videowände erweitert worden. Eine 80 Jahre alte Berlinerin ging für den historischen Moment auf Nummer sicher und platzierte sich schon acht Stunden vor dem Anpfiff ganz vorn am Brandenburger Tor. "Deutschland gewinnt", lautete ihre Prognose - am Ende lag sie falsch. Die Kontrolleure an den Eingängen waren besonders aufmerksam, nachdem am Sonntag ein Amokfahrer durch die Absperrung gerast war und 26 Menschen verletzte.
Auch in Stuttgart, Köln und Leipzig waren die Fanfeste wegen des Andrangs der Zehntausenden schon am frühen Abend komplett dicht. In Hamburg sangen sich rund 70.000 Fußballfans auf dem Heiligengeistfeld in Stimmung. Einige tausend, die nicht mehr hereinpassten, konnten auf eine weitere Leinwand an der Reeperbahn ausweichen. In Frankfurt drängten sich 60.000 Fans vor den drei Riesenbildschirmen der Main- Arena. Im WM-Stadion verfolgten 35.000 gebannt die Bilder auf dem abgesenkten großen Videowürfel. "Die Stimmung ist gigantisch", rief der 27-jährige Marco Rickert. Über die Ränge schwappten da noch La- Ola-Wellen der Vorfreude. Der 45-jährige Italiener Nonzio schwenkte eine Fahne und sagte voraus: "Wir schießen die Deutschen aus dem Stadion."
Eingehüllt in schwarz-rot-goldene Fahnen, mit großen Hüten oder Nationaltrikots waren Anhänger der deutschen Elf aber fast überall in der Mehrzahl. Ausgerechnet in München, das sich gern als "nördlichste Stadt Italiens" bezeichnen lässt, strömten die Fans aber zunächst nur zögerlich auf die Public-Viewing-Areale. Zum Anpfiff zählte die Polizei dann aber 50.000 Menschen. Erstmals eroberte König Fußball sogar die Theresienwiese - auf dem Oktoberfestgelände lief eine WM- Übertragung.
Italiener feiernFür Polizei und Hilfskräfte brachte der WM-Klassiker bundesweit erneut einen Großeinsatz: Allein in Berlin waren 6000 Polizisten im Einsatz. Größere Zwischenfälle gab es vor und während des Spiels aber zunächst nirgendwo. Auch Feindseligkeiten zwischen Anhängern beider Seiten wegen des Wirbels um die Sperre des deutschen Spielers Torsten Frings meldeten die Behörden zunächst nicht. In der Hitze mussten aber manche Schlachtenbummler von Sanitätern behandelt werden.
Hochburgen der "Tifosi" waren vielerorts italienische Restaurants und Eiscafés. Denn die Kicker um Totti, Toni und Co. haben viele Fans in Deutschland, wo rund 500.000 Italiener leben. Mitgezittert wurde unter anderem in Bars der Volkswagenstadt Wolfsburg, die mit 5500 Menschen italienischer Abstammung als größte "Italiener-Kolonie" in der Bundesrepublik gilt. Eine Kellnerin in einer Pizzeria mochte beim Servieren mit schwarz-rot-goldenem Ohrschmuck aber keine Rücksicht auf ihren Chef nehmen: "Das ist mir egal, ich bin Deutsche."
In Italien selbst kannten die Fans nach dem Sieg kein Halten mehr. Mit Autokorsos und Hupkonzerten im ganzen Land wurde der erste Finaleinzug ihrer Mannschaft seit zwölf Jahren gebührend gefeiert. Ganz Rom schien nach der Zitterpartie auf den Beinen, Tifosi umarmten sich, tanzten auf den Plätzen, warfen Feuerwerkskörper. "Es ist eine unglaubliche Freude, eine unglaubliche Euphorie"", schwärmte ein deutscher Tourist in der Nähe des Kolosseums.
(N24.de, Netzeitung)
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Klinsi sagt Nein zur Fortsetzung als Bundestrainer...
Aber es ist gut, dass Löw weitermacht, denn er hat die Strategie Klinsmann's am besten mitbekommen und kann sie somit am besten durch bzw. weiterführen.
http://www.bild.t-online.de/BT…undestrainer-spieler.html
Nachtrag: Hier hab ich noch was cooles beim rumstöbern gefunden.

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Ohne die Fifa wären wir Weltmeister geworden, weil die gegen Italien Frings sperrten.
Deswegen war diese WM zwar shcön, aber auch mit viel Schiebung.
Bestes Beispiel der vollkommen unberechtigte Elfmeter für die Italiener in letzter Minute gegen Australien. -
Beim Tennis könne jetzt bereits falsche Linienrichterentscheidungen mittels der Videoüberwachung korrigiert werden.
Beim Fußball zeigen die TV-Wiederholungen oft eindeutig die Fehlentscheidungen an. Wieso werden diese nicht herangezogen?


